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Gedanken zur ‘User Awareness’


Das Thema “User Awareness” wird an Treffen von IT-Sicherheitsexperten regelmässig diskutiert. Oft gehört ist die Klage: “Nutzer halten sich nicht an die Ratschläge!”, gefolgt von Ideen zu noch besseren Kampagnen.

Mir scheint jedoch, das hier wortwörtlich an Ziel und Zielpublikum vorbei argumentiert wird.

Ottonormalnutzer ist nicht dumm

Die oft gemachte Aussage, dass die meisten Leute halt mit Computern überfordert seien, oder sich nicht für Sicherheit interessieren, trifft nicht zu. Die meisten Nutzer, von meiner Mutter bis zu meinen Kindern nutzen Internet-Technologie erfolgreich. Zum Pflegen von Freundschaften und Kontakten, zum Einkaufen und Ferien buchen, sich informieren.
Diese Leute machen sich durchaus auch Gedanken zum sicheren Umgang mit Computern. Dies zeigt ja schon das Interesse am Thema, wenn es in den Medien aufgegriffen wird. Aber Sicherheitswarnungen, welche durch und durch mit Jargon imprägniert sind, fliegen meilenweit am Ziel vorbei.

Computernutzer sind erwachsen

Viele, auch gut gemeinte Kampagnen, kommen schulmeisterlich daher. Ich kenne niemanden der das schätzt. Und gerade Jugendliche, welche gerne als risikoblind taxiert werden, erreicht man mit erhobenem Zeigefinger nicht.

Die etwas andere Art

Erfolgreich scheinen mir Kampagnen, welche die Leute zum Denken anregen. Denn eine selbst gefundene Erkenntnis wird viel eher umgesetzt, als eine vorverdaute Moralpredigt.

Gelungene Beispiele gibt es einige:

Vermisst: Einhorn Letzte Woche erhielt ich von einem Jugendlichen eine Suchanzeige für ein Einhorn, welche in der Stadt Zürich aufgehängt ist. Darin wird Werbung für die Suchtberatungsstelle der Stadt Zürich gemacht. Interessant ist es, die Mimik von Leuten zu beobachten, welchen ich dieses Bild gezeigt habe: Auf den ersten Blick ein Ausdruck im Sinne “Was soll denn das?”, dann ein Schmunzeln oder Lachen. Die Message ist angekommen, ohne dass irgendjemand belehrt werden musste.
Diese Kampagne lässt sich vielleicht als “analoges Guerillamarketing” beschreiben. Sie lebt davon, dass andere es weiter erzählen. Erste Posts im Netz sind bereits aufgetaucht (und hiermit einer mehr).

Einen ähnlichen Effekt erzielt ein Filmchen, produziert von der Belgischen Bankenvereinigung Febelfin. In Amazing mind reader reveals his ‘gift’ werden die Gedanken von zufällig ausgewählten Passanten gelesen.

Die Auflösung ist die perfekte Überraschung. Und auch hier gibt’s keine vorgedruckte Moral. Der Film kam bei allen Leuten denen ich ihn gezeigt habe – vom Geek zum Computerhasser – sehr gut an. Das ist ein Zeichen, dass etwas richtig gemacht wurde.
Die Leute von Febelfin waren dann auch selber überrascht über den Erfolg des Filmes.

Fazit: Wir “Experten” sollten überdenken wie wir mit unseren Gegenüber kommunizieren. Meine Bitte: “Am liebsten so, wie wir selber gerne angesprochen werden. “

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